#1 Die gestohlenen Betten der Frau Holle von Friedrich 01.06.2021 16:44

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Die gestohlenen Betten der Frau Holle
von Friedrich Buchmann
In einem wunderschönen Waldgebiet im Werratal liegt ein kleines verträumtes malerisches Städtchen. Es scheint als wäre hier die Zeit stehen geblieben.
Auch die herrlichen Wälder rings um dieses Städtchen haben etwas Märchenhaftes. Und wirklich, es ist der Märchenwald! Einmal im Jahr kommen die Märchenfiguren aus diesem Märchenwald in das Städtchen und erzählen Märchen aus vergangener Zeit. Die Kinder aus der gesamten Umgebung freuen sich dann über Frau Holle, Hase und Igel, Rotkäppchen,
die Sieben Zwerg mit Schneewittchen, das tapfere Schneiderlein, die sieben Geißlein, aber auch über neue Märchenfiguren wie Tabaluga, und Pippi Langstrumpf.
Es kommen viele Besucher in das märchenhafte Städtchen.
Hier können die Kinder all ihren Lieblingsfiguren aus den Märchen die Hand schütteln, mit ihnen sprechen und sich ein Autogramm holen.
Frau Holle zeigt jedes Jahr, wie man die Betten richtig schütteln muss, damit es auf der Erde schneit und die Goldmarie hilft ihr dabei.
Auch anno 2000 sollte es wieder so sein. Doch die böse Schneekönigin hatte schon seit vielen, vielen Jahren etwas dagegen. Sie wollte bestimmen, wann es auf der Erde schneit.
Eigentlich sollte es nie irgendwo anders schneien, als in ihrem Reich, im hohen Norden. Sie wollte den Schnee für sich ganz alleine haben. Und so beschloss sie, die wunderschönen herrlich weichen Betten von Frau Holle zu stehlen.
Sie hatte auch zwei Verbündete, die sie bei ihrem Plan unterstützen wollten.
Es waren der Frost und der Sturm.
Der Frost war gar nicht interessiert, dass es auf der Erde schneit. Er hatte nur Interesse, dass alles, was auf der Erde wächst und gedeiht, erfrieren soll und das für alle Ewigkeit. Auch der Sturm wollte freie Bahn haben, um alle Wälder und Felder auf der Erde, die ihm in Wege standen, wegzublasen. Der Schnee schützt nämlich die Pflanzen vor dem Erfrieren. Dem Sturm ist der Schnee im Wege, weil er ihn immer vor sich her blasen musste und dann nicht so viel Kraft hatte, die Bäume und Sträucher umzublasen.
Es nahte das Osterfest, Frau Holle, Goldmarie, aber auch die Pechmarie freuten sich darauf, denn zu dieser Zeit gingen sie wieder in das Städtchen, um dort auf dem Märchenfest ihre Betten zu zeigen. Sie bezogen ihre Deckbetten mit einer wunderschönen himmelblauen Bettwäsche. Im vergangenen Winter hatten Frau Holle und Goldmarie die Betten jeden Tag geschüttelt, so dass es sehr viel Schnee auf der Erde gab und die alte Bettwäsche schon sehr verschlissen war.
Goldmarie verstaute die Betten in einer großen Kiepe. Eine Kiepe ist ein großer viereckiger Korb. Auch Pechmarie sollte beim Einpacken der Betten helfen.
Sie musste die Betten in der Kiepe gut verschnüren, damit sie bei der Wanderung aus dem Märchenwald auf der Märchenstraße bis zu dem Städtchen nicht heraus fallen konnten. Doch Pechmarie war wieder einmal faul, sie machte es nicht richtig. Statt den Strick um die Kiepe fest zu verknoten, machte sie nur eine lose Schleife. Frau Holle verließ sich auf Goldmarie. Doch auch Goldmarie vertraute Pechmarie. Sie hatte ihr geschworen, immer gut zu arbeiten und alles richtig zu machen.
Nun war es so weit. Der Tag war gekommen, um aus den Märchenwald vom Schneewolkenhaus über Felder und Wiesen, entlang der Märchenstraße, in das Städtchen zu gehen.
Frau Holle setzte ihre Kiepe auf, nahm ihren Wanderstock und ging mit Goldmarie und Pechmarie los.
Zuerst wanderten sie den Märchenwaldweg herunter.
Dort kamen sie an der Rennbahn von Hase und Igel vorbei.
Sie liefen wieder, die Zwei.
Dann machten sie dort eine Pause,
Rotkäppchens Oma gab allen eine Brause.
Sie gingen weiter zu den sieben Bergen,
dort winkten Schneewittchen und die sieben Zwerge.
Die sieben Geißlein waren auch zu sehen,
eine Vogelhochzeit dort, wunderschön.
Am Hexenhaus gingen sie vorbei
und sie sahen den Topf vom süßen Brei.
Hans im Glück
kam grade mit einer Gans im Arm zurück.
Hänsel und Gretel liefen durch den Wald
plötzlich wurde es bitter kalt.
Sie erreichten den Waldrand, Gott sei Dank,
von dort war der Weg bis zum Städtchen nicht mehr lang.
Die Schneekönigin wusste, dass in dem kleinen wunderschönen Städtchen jedes Jahr um Ostern eine Märchenwoche abgehalten wurde. Und dass Frau Holle jedes Jahr dort mit ihren Betten ein Schauschütteln veranstaltete. Dafür musste sie die Betten mit in das märchenhafte Städtchen nehmen. Dabei ging Frau Holle immer den Märchenwaldweg zur Märchenstraße. Aus diesem Grunde warteten sie und ihre Gesellen, der Sturm und der Frost, seit einigen Tagen am Märchenwaldrand, um von Frau Holle die Betten zu entwenden. Der Sturm hatte sich auf einem Baum versteckt. Er hielt Ausschau und sollte den Frost und der Schneekönigin ein Zeichen geben, wenn Frau Holle, Goldmarie und Pechmarie kamen.
Frau Holle, Goldmarie und Pechmarie kamen zum Waldrand.
Pechmarie trug gerade die Kiepe mit den Betten und sie lief immer 10 Schritte hinter Frau Holle her.
Nun gab der Sturm das Zeichen. Die Schneekönigin sah auch aus ihrem Versteck, dass Pechmarie die Betten trug. Das war ein guter Zeitpunkt um zu zuschlagen. Sie gab dem Frost und den Sturm das Zeichen und der Frost ließ es bitter kalt werden. Der Sturm blies aus vollen Packen, das alles weg flog.
Frau Holle, Goldmarie und Pechmarie wurde es sehr, sehr kalt. Goldmarie und Pechmarie hatten nur ein Kleid an. Frau Holle hatte eine blaue Strickjacke über ihr Kleid, aber trotzdem fror sie sehr. Der Sturm blies so doll, dass sie sich nicht auf den Beinen halten konnten. Pechmarie wurde mit der Kiepe umgeblasen. Sie fiel hin und die lose Schleife löste sich. Die Betten fielen aus der Kiepe heraus und der Sturm blies sie zu der Schneekönigin. Nun war die Schneekönigin am Ziel. Sie nahm die Betten und flog mit den Frost und Sturm in ihr Reich in den hohen Norden.
Frau Holle, Goldmarie, Pechmarie hatte der Sturm umgeblasen. Sie lagen frierend auf dem Acker und wunderten sich, dass es plötzlich wieder warm wurde und kein Wind mehr war. Sie rappelten sich auf. Da sahen sie die leere Kiepe am Waldrand liegen. Die Betten waren weg. Was nun? Frau Holle sagte dann: „Ohne meine Betten wird es nicht mehr schneien auf der Erde. Wir müssen sie suchen und finden“.
Sie liefen alle Felder ringsum ab, suchten am Waldrand. Aber alle Mühe war vergebens. Alle drei waren sehr traurig und gingen in das Städtchen, am Rande des Märchenwaldes. Dort erzählten sie dem Bürgermeister ihr Ereignis. Der Bürgermeister trommelte die Bürger aus dem Städtchen zusammen und sie suchten nach den Betten von Frau Holle. Aber keiner fand sie.
Mittlerweile trafen die Märchenfiguren aus dem Märchenwald im märchenhaften Städtchen ein. Sie wollten alle das große Märchenfest im Städtchen feiern. Doch ohne das Bettenschütteln von Frau Holle ist es nur ein halbes Fest. Der Gestiefelte Kater mit seiner Kutsche fuhr von der Märchenstraße auf die Hauptstraße des märchenhaften Städtchens.
Er stieg von seinem Kutschbock und hörte was geschehen war. „Ja, ich habe vorhin am Waldrand die Schneekönigin, den Sturm und den Frost gesehen“!
Als ihm Goldmarie das ganze Ereignis schilderte, meinte er weiter: „Das können nur die drei gewesen sein, sie haben die Betten von Frau Holle gestohlen. Frau Holle setzte noch hinzu: „Die Schneekönig wollte schon immer die Betten haben, damit nur in ihrem Reich Schnee fällt. Was machen wir nun? Wie bekommen wir die Betten zurück?
Auch Tabaluga, der kleine Drache mit dem vielen Glück, hatte alles mit angehört. Er war gerade gekommen.
Dann sagte er: „Ich fliege in das Reich der Schneekönigin und schaue nach, ob sie die Betten hat.
Gesagt, getan! Tabaluga flog los. Es war ein langer Flug.
Am Rande des Reiches der Schneekönigin machte er erst einmal eine Pause. Er setzte sich an einen kleinen Fluss und trank das herrlich frische Wasser. Dabei sah er den Bachforellen beim Spielen zu. Der Fluss sah Tabaluge und klagte laut. Er erzählte, dass die Schneekönigin und der Frost seinen Oberlauf zu gefroren haben. Dadurch kommt nicht genug Wasser den Fluss herunter und die Fische in meinen Fluss schwimmen dann in einen anderen Fluss, weil er austrocknet.
„Ich werde Abhilfe schaffen, bald hast du wieder genug Wasser“, sagte Tabaluga. Er stärkte sich noch an dem süßen Brei, dem er aus dem Topf vom Märchen, „Der Süße Brei“ mitgenommen hatte. Danach
flog er wieder in die Luft und entlang des kleinen Flusses.
Als er nun das Reich der Schneekönigin erreicht hatte, war es genau so wie es der Fluss gesagt hat. Er war zugefroren und es war auch bitter kalt. Tabaluga holte tief Luft, aktiviert sei innerliches Feuer und blies das Feuer mit aller Kraft auf das Eis. Das machte er einige Zeit und der Fluss war aufgetaut. Das Wasser wurde mehr und lief den Flusslauf herunter. Dann flog der kleine Drache weiter zum Eiskristallpalast der Schneekönigin.
Plötzlich sah Tabaluga noch einen kleinen Drachen kommen. Es war sein Freund der kleine Grisu. Dieser wollte immer Feuermann werden.
Sein Drachenfeuer verlöschte nie. Anstatt zu löschen steckte er immer ungewollt etwas in Brand. Als er ihn sah, winkte er Tabaluga zu und dieser winkte zurück. Grisu rief mit heiserer Stimme: „Ich möchte dir helfen, zu zweit können wir besser gegen die Schneekönigin kämpfen“! Sie flogen weiter und tiefer in das Reich der Schneekönigin.
Da sahen sie den Eispalast der Schneekönigin. „Hier ist es aber kalt“, sagte Grisu und ließ einen Feuerstoß aus seinem Maul. Die Umgebung wurde wärmer. Sie flogen zur Brücke, die in den Eingang des Eispalastes mündete.
Hier setzten sie sich auf das Eisgeländer. Dann holten sie beide tief Luft und ließen jeder einen Feuerstoß zu Tür des Eispalastes heraus. Diese schmolz so fort.
Hinter der Eingang stand der Frost und ließ die Temperatur auf über minus 50 Grad sinken. Doch die beiden kleinen Drachen ließen noch einmal einen Feuerstoß aus ihrem Maul. Dabei trafen sie den Frost und der nahm gleich Reißaus.
Er holte die Schneekönigin. Diese kam mit dem Sturm und rief unseren beiden Drachen zu: „Was wollt ihr hier? Ich lasse Euch von dem Sturm hinweg blasen“! Bevor sie aber diese Worte ausgesprochen hatte, ließ Tabaluga noch einmal einen Feuerstoß gegen den Sturm los. Dieser bekam Angst und flog ganz schnell weg. Dann sprach Tabaluga: „Schneekönigin, gib sofort die Betten von Frau Holle heraus, ansonsten werden wir deinen Eispalast in Wasser auftauen“!
Da bekam die Schneekönig Angst um ihren schönen Eispalast. Sie befahl dem Frost die Betten zuholen.
Die Schneekönigin wollte ihr schönes Eisparadies und ihren Eisgarten mit den herrlichen Eisblumen behalten. Der Frost brachte die Betten und gab eins Tabaluga und das andere Grisu. Die nahmen die Betten, stießen beide noch einen Feuerstoß in Richtung der Schneekönigin aus, die sich sofort in ihren Eispalast flüchtete.
Dann drehten sie sich herum und flogen davon. Sie flogen in Richtung des Flusses. Dort machten sie wieder halt und tranken von dem klaren Wasser des kleinen Flusses. Der hatte jetzt wieder sehr viel mehr Wasser. Der kleine Fluss war glücklich und bedankte sich bei Tabaluga. Er schenkte den beiden Drachen jeden einen glitzernden Kieselstein aus seinem Flussbett. Dann verabschiedeten sich unsere beiden Drachen und flogen in die märchenhafte Stadt und brachten die Betten zu Frau Holle zurück. Die Freude war riesengroß.
Nun konnte das Fest richtig fröhlich gefeiert werden.
Der Kochtopf aus dem Märchen, „Der süße Brei“, kochte erst einmal für alle den süßen Brei. Goldmarie schenkte jedem einen Goldtaler, Rotkäppchens Oma tanzte und verteilte Kuchen.
König Drosselbart schenkte jedem eine herrliche Tasse.
Wer wollte, konnte sich von der Muttergeiß aus dem Märchen, „Der Wolf und die sieben Geißlein“, Milch holen. Dann war es so weit.
Frau Holle und Goldmarie schüttelten die Betten. Es schneite. Alle waren glücklich und froh.
So wurde das Märchenfest noch herrlich. Zum Festumzug bekamen die beiden Drachen Tabaluga und Grisu einen extra Prunkwagen wie beim Karneval. Sie schmissen Bonbons unter die Zuschauer und Kinder.
Alle jubelten unseren beiden Drachenhelden zu.
Alles wird gut, wenn man nur das Richtige tut.
Frau Holle kann auch wieder ihre Betten schütteln, und es wird immer Schnee auf der Erde geben.
Das märchenhafte Städtchen feierte jedes Jahr wieder das Märchenfest.
(c) Friedrich Buchmann